Dreirder als populre Verkehrsmittel fr lndliche Regionen
Ausgangslage: Was fehlt dem Fahrrad fr ein vollwertiges Verkehrsmittel?
Das konventionelle zweirdrige Fahrrad hat seine bekannten Vorteile: es hat praktisch keine Schadstoff- und Lrmemissionen, verbraucht nur Krperenergie und ist billig, sowohl fr die BenutzerInnen, als auch hinsichtlich der erforderlichen Verkehrsinfrastruktur. Ein naturgegebener Nachteil gegenber den motorisierten Verkehrsmitteln ist die begrenzte Geschwindigkeit bzw. Reichweite. Fr die Ergnzung des ffentlichen Verkehrs am Land, wo ein dichtes Netz eines in kurzen Intervallen mit guten Anschlssen verkehrenden ffentlichen Verkehrs nicht wirtschaftlich realisierbar ist, sollte dies jedoch nicht das entscheidende Problem darstellen: Beispielsweise kann eine Entfernung von 4 km bis zur Haltestelle eines attraktiven ffentlichen Verkehrsmittels oder in eine grere Siedlung mit Schule, Geschften etc. per Rad in einer Viertelstunde zurckgelegt werden, whrend der selbe Weg zu Fu eine ganze Stunde dauern wrde. Mit mindestens vierfach hherer Geschwindigkeit vervierfachen sich auch akzeptable Einzugsradien, im Idealfall vergrern sich Einzugsgebiete und erschlossene Bevlkerung sogar um den Faktor 16. Es bestehen aber andere Grnde, warum mit konventionellen Fahrrdern die Potenziale der "Humantraktion" nicht in grerem Mae ausgeschpft werden knnen:
- Wetterabhngigkeit:
Radfahren im Regen oder auf Schneefahrbahn ist schlicht unangenehm, und ein Fahrzeug ist kein vollwertiges Verkehrsmittel, wenn beispielsweise an 30 Tagen im Jahr irgendeine Ersatzlsung bentigt wird.
- Beschrnkte Gepckskapazitt:
Zu den wichtigsten Fahrtzwecken zhlen Einkufe, daher ist die Mglichkeit des Transports beispielsweise einer greren Menge an Getrnke erforderlich. Ebenso wre es wnschenswert, zwei Kinder auf einem Rad mitnehmen zu knnen.
- Gefhrlichkeit:
RadfahrerInnen stellen zwar fr die restlichen VerkehrsteilnehmerInnen nur eine geringe Gefahrenquelle dar, sind aber umgekehrt im Fall einer Kollision mit einem Auto wesentlich verletztlicher, als Autoinsassen.
Insbesondere die Wetter- und Transportproblematik ist technisch lsbar. Erfahrungen mit Gepck- oder Kinderanhngern zeigen, dass sich mit einer solchen Last der Fahrwiderstand nicht wesentlich erhht und Fahrradkonstruktionen mit Verkleidung erzielen dank besserer Aerodynamik in der Regel sogar hhere Geschwindigkeiten. Es handelt sich jedoch berwiegend um Prototypen oder sehr sportliche Konstruktionen, welche fr maximale Geschwindigkeit optimiert und vor allem inakzeptabel teuer sind (Grenordnung: ab 3000 Euro). Alltagstaugliche, regengeschtzte Fahrrder mit ausreichend Platz fr Gepck sind derzeit um einen angemessenen Preis nicht erhltlich. Wenngleich ein hherer Verkaufspreis im Hinblick auf den Nutzwert und die Mglichkeit eines teilweisen Ersatzes des Autos legitim wre, muss er in der Grenordnung konventioneller Fahrrder liegen, damit sich eine ausreichende Anzahl an KundInnen findet, die ein Fahrzeug ausprobieren, welches fr sie in gewissem Ausma ein Experiment darstellt.
Entwurf eines billigen Dreirads als Alltagsverkehrsmittel
Liegedreirad
Hinsichtlich der grundlegenden geometrischen Konstruktion empfiehlt sich ein Liegedreirad mit zwei Hinterrdern, um Gepck oder Kinder hinter dem/der FahrerIn unterbringen zu knnen. Gegenber Zweirdern zeichnet sich diese Konstruktion durch eine hhere Stabilitt aus, was in diesem Falle insofern wichtiger ist, als im Stillstand Lasten einzuladen sind und nach dem Einsteigen das Verdeck zu schlieen ist. Ein Vorteil der Liegekonstruktion ist neben der greren Stabilitt in Kurven auch der geringere Luftwiderstand. Letztlich ist es auch mglich, zwei oder mehrere Fahrzeuge zu einem Zug zusammenzukuppeln, um im Falle von Gruppenfahrten den Luftwiderstand weiter zu reduzieren, oder aber zur Befrderung leerer Fahrzeuge, etwa um Besuch von der Haltestelle des ffentlichen Verkehrs abzuholen.
Anstelle eines klassischen geschweiten Rahmens, dessen atypische Form vermutlich fr das hohe Preisniveau der heute angebotenen Sonderfahrrder verantwortlich ist, hat die tragende Konstruktion die Form einer Wanne, die entweder aus Glasfaser- oder anderem Kunststoff hergestellt und gegebenenfalls mit Stahltrgern verstrkt, oder aus einer geschraubten Fachwerkkonstruktion gebildet wird, wobei die Endmontage wie bei Selbstbaumbeln durch die KundInnen erfolgt. Das Verdeck ist als Zelt mit einem oder mehreren gebogenen Trgern gelst. In gewissem Ausma kann gegenber einem konventionellen Fahrrad auch die Sicherheit erhht werden, da die Personen in einem greren Fahrzeug sitzen und auch mittels Sicherheitsgurt angeschnallt werden knnen.
Antriebs- und Lenkungsvarianten

Die konventionellere Variante hat einen Hinterradantrieb und eine Vorderradlenkung, was jedoch entweder ein Differenzial erfordert, oder nur einen einseitigen Antrieb mit entsprechend schlechten Traktions- und Fahreigenschaften bedeutet. (Im Aufri ist rot der Fahrzeugrahmen bzw. die Wanne gezeichnet, violett der Stoffteil und graublau der durchsichtige Teil des Verdecks gezeichnet).

Die zweite Variante hat den Antrieb am einzelnen Vorderrad, welches soweit wie mglich zum Schwerpunkt des/der FahrerIn verschoben ist, die gelenkten Hinterrder sind ganz am Ende des Fahrzeugs, damit ein mglichst groer Anteil des Gewichts am angetriebenen Vorderrad liegt. In diesem Fall ist kein Differenzial ntig und die Kette ist sehr kurz. Ein Nachteil ist jedoch die fr gewhnliche Rad- und AutofahrerInnen ungewohnte Hecklenkung.
Auch im Bereich der Kraftbertragung und Gangschaltung sind verschiedene Varianten mglich:
Klassischer Kettenantrieb (die verschiedenen Farben stellen die Gng dar)
Billiger, eventuell aber auch stranflliger knnte ein Seilzugantrieb mit Pendelpedalen und zwei Freilufen sein
weitere Mglichkeiten wren noch eine - hydrostatische oder
- elektrische Kraftbertragung (mit Pedalgenerator und Nabenmotoren),
welche zwar elegante Zusatzfunktionen wie Rckwrtsgang oder Rekuperation von Bremsenergie sowie einen symmetrischen Hinterradantrieb ermglichen knnten, wohl aber auch wesentlich teurer kommen wrden.
Preis- und Technologieniveau
Es ist zwar notwendig, dass eine ausreichende Effizienz fr relativ schnelles und komfortables Fahren sowie Zuverlssigkeit und Sicherheit auch unter winterlichen Bedingungen gewhrleistet sind. Ansonsten sind aber ein attraktiver Preis und die Mglichkeit des Vetriebs ber Diskontketten jedenfalls wichtiger, als die Reduktion des Gewichts um ein halbes Kilo oder von Widerstandsverlusten um ein paar Prozent.
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