Die europaweite Chipkarte für den öffentlichen Verkehr

Problemstellung

Folgende Schwierigkeiten machen Fahrgästen und Verkehrsunternehmen beim klassischen Fahrkartenverkauf zunehmend zu schaffen: Teilweise könnten diese Probleme durch Chipkarten gelöst werden. Folgende Gründe sprechen jedoch dringend dafür, einen europaweiten, unternehmens-, verbund- und staatenübergreifenden Standard zu schaffen:

  1. Es wäre sehr nervig, ständig eine neue Smartcard anschaffen zu müssen, oder jedesmal, wenn man frühmorgens mit dem Nachtzug in einer fremden Stadt ankommt, zuerst zum Fotoautomaten zu müssen. Noch viel mehr, als für städtischen Verkehr, gilt das für Regionalverkehr: Soll man am Umsteigepunkt von Fern- und Regionalverkehr eine Stunde warten, weil das Regionalverkehrsticket des Verkehrsverbunds XY aus dem Ausland nicht buchbar war und in drei Minuten Umsteigezeit nicht erhältlich ist? Was ist, wenn man mit einem Fernzug in einen regionalen Verkehrsverbund einfährt, und das Fahrtstück mit dem Fernzug im Verbundticket eigentlich inkludiert gewesen wäre, man letzteres aber erst nach der Ankunft lösen kann?

  2. Um möglichst einfach und effizient auch anonyme Pre-Paid-Karten anbieten zu können, sollte die Aufladung an Bankomaten möglich sein. Damit sich das für die Banken lohnt und möglichst auch europaweit möglich ist, kommt auch nur ein europaweiter Standard in Frage.

  3. Bei namentlich bekannten Karten könnte man einer unternehmensübergreifenden Stelle weniger Datenmißbrauch zutrauen, als einem Verkehrsunternehmen.

Funktionen

Folgende Funktionen könnte die Karte erfüllen, um ein einfaches und mißbrauchssicheres Fahren zum mit Sicherheit günstigsten Tarif und ohne Risiko eines irrtümlich falschen Fahrscheins zu ermöglichen:

  1. Speicherung aller Ermäßigungs- und Zeitkarten
  2. Die wichtigste Funktion wäre, daß alle Ermäßigungen (z.b. Vorteilscard, Bahncard etc.) und Zeitkarten auf einer Karte gespeichert sind. Damit man ihr trotzdem von außen und ohne Lesegerät ansieht, welche das sind, können kleinere Marken auf einzelne, dafür vorgesehene Felder aufgeklebt werden. Damit weiß jeder Fahrscheinautomat sofort von selbst, welcher Tarif anzuwenden ist, und die Hälfte der Zeit und Mühe der Automatenbedienung entfällt. Auch wenn einige Ermäßigungen oder Zeitkarten nicht übertragbar sind, bedeutet das keine namentliche Nachverfolgbarkeit der Bewegungen des einzelnen Fahrgasts: Es wäre möglich, daß Name und Foto nur (hand-)schriftlich auf der Karte notiert, nicht aber mit eingespeichert werden.

  3. Speicherung der letzten Fahrt(en)
  4. Auf der Karte sollte zumindest die letzte Fahrt (inkl. Datum) gespeichert werden, damit man auf Fahrten mit Umsteigen mehrere Einzelkarten kaufen kann, das System aber trotzdem erkennt, daß es sich um eine durchgehende, längere Reise handelt und - falls im Tarif vorgesehen - den entsprechenden Kilometerrabatt verrechnet. Speichert die Karte alle Fahrten einer Woche oder eines Monats, so können auch nachträglich, falls genug gefahren wurde, Wochen- oder Monatskarten gewährt werden.

  5. Zahlungsfunktion
  6. Um Transaktionskosten und Bargeldhandling zu sparen, wäre es tatsächlich günstig, wenn eine solche Karte auch zu Zahlungszwecken eingesetzt würde. Wenn es wirklich eine einzige Karte wäre, die für den ganzen öffentlichen Verkehr Europas geeignet ist, wäre es auch für Gelegenheitsfahrgäste zumutbar, eine solche Karte anzuschaffen, und es wäre z.b. seitens von Banken, Post u.ä. die Bereitschaft zu erwarten, daß sie das Aufladen von Pre-Paid-Karten erledigen, etwa für ältere Leute, die keine Bankomatkarte haben und persönlich zur Bank gehen. Auch wenn vielleicht viele Fahrgäste eine Abrechnung im Nachhinein (quasi die Öffi-Rechnung wie eine Telefonrechnung) wählen, sind Pre-Paid-Karten unerläßlich, alleine schon für Kinder und Jugendliche ohne Konto.
    Bei den Pre-Paid-Karten gibt es jedoch folgendes Problem: Beim Einsteigen in den Zug kann das Lesegerät, welches die Karte entgegennimmt, noch nicht wissen, wo der Fahrgast wieder aussteigt. Bei Verkehrsmitteln, die nur kürzere Strecken zurücklegen, kann es überprüfen, ob noch genug Guthaben bis zur Endstation vorhanden ist. Handelt es sich jedoch um einen Fernzug, so wäre es sehr unökonomisch, wenn man stets genug Guthaben für den ganzen Zuglauf auf der Karte haben müßte, um ein kleines Stück damit fahren zu dürfen. Hier wäre es daher sinnvoll, wenn das Lesegerät beim Einsteigen zumindest ein Zettelchen ausspuckt, auf dem - auch für den Fall einer Kontrolle - vermerkt ist, an welcher Haltestelle der Fahrgast spätestens aussteigen muß. Vielleicht wäre es auch möglich, auf der Karte selbst ein Feld freizulassen, auf das vom Lesegerät die maximal zulässige Fahrtweite, evtl. auch das verbleibende Guthaben aufgedruckt und bei der nächsten Verwendung der Karte wieder weggelöscht wird.
    Ein solches, irrtumssicheres Fahrscheinsystem wäre sicherlich sehr nützlich, um Unsicherheiten bei komplizierteren (z.b. auslastungsabhängigen ) Tarifsystemen und bei verschiedenen Zugbetreibern mit jeweils eigenen Tarifen aus dem Weg zu räumen. Im Sinne des Konsumentenschutzes, aber auch der Attraktivität eines verläßlichen, sicheren Systems und des Lenkungseffekts auslastungsabhängiger Tarife, sollte es auch leicht möglich sein, den Fahrpreis einer bestimmten Fahrt sowie das aktuelle Guthaben festzustellen. Es sollte daher mehrere Formen von Lesegeräten bzw. Entgeltentrichtung geben:

Ein effizientes Tarifsystem für Ostösterreich

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